Rezension: Sozialimmobilien-Report 2016

Eine willkommene Informationsquelle auf programmatischer Ebene für alle Akteure, die an der Planung eines Neu- oder Umbaus beteiligt sindSozialimmobilien-Report jetzt bestellen

Im Hause Vincentz Network, zu dem neben mehreren Fachmagazinen für die Seniorenwirtschaft auch der Branchendienst Care Invest gehört, erschien jüngst ein aus der Masse der Immobilienliteratur herausragendes Buch. Der Sozialimmobilien-Report 2016. Designorientierte Architektenleser sollten sich vom Cover nicht abschrecken lassen. Als federführender Autor wirkte unter anderem Eckhard Feddersen mit, der deutschlandweit renommierteste Architekt und Grandseigneur des Bauens für Senioren. So ist hier ein Buch entstanden, dass Architekten, die sich mit den Themen Wohnen und Pflege beschäftigen, wirklich empfohlen werden kann. Neben Feddersens Büronachfolger, Jörg Fischer, zeichnen mit Dr. Dörte Heger vom Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung und Detlev Döding von der Bremer Landesbank zwei weitere Autoren aus ganz anderen Branchen für den Inhalt verantwortlich. Die Kombination unterschiedlicher Perspektiven gehört denn auch explizit zum Programm des vorliegenden Reports. Aktuelle Trends auf dem Wohn- und Pflegeimmobilienmarkt werden benannt und mit Best Practice-Beispielen illustriert.

Architektonischer Teil

Nach einem statistischen Auftakt zur Bautätigkeit des Sozialimmobiliensektors und zum wachsenden Pflegebedarf aus der Care Invest Baudatenbank folgt der architektonische Teil des Buches. Anhand von zehn ausgewählten Projekten unterschiedlicher Planungsbüros reflektieren Feddersen und Fischer die aktuellen Standards „guter“ Architektur beim Bauen für Senioren. Deutlich wird hier insbesondere, dass gelungene Häuser sich nicht bloß durch ihr ästhetisches Erscheinungsbild auszeichnen. Sie finden darüber hinaus räumliche Antworten auf eine anspruchsvolle soziale Aufgabenstellung. Die demographische und technische Entwicklung unterwirft alle Häuser einem hohen Anspruch an Wandlungsfähigkeit. Die Autoren bewerten insbesondere solche Projekte als nachahmenswert, die in „vielfältigen Wohnformen und Pflegesettings“ flexiblen Gestaltungsspielraum für zukünftige Entwicklungen bieten. In der praktischen Umsetzung kann das von der Anpassbarkeit des Konstruktionsrasters für ein einzelnes Gebäude bis hin zum integrierten Quartierskonzept mit fließenden Angeboten für alle Betreuungsstufen reichen.

Die unterschiedlichen Akteure

Schon der mittlerweile leicht überstrapazierte Begriff des Quartiers macht deutlich, dass bei solchen Projekten zahlreiche unterschiedliche Akteure zusammenfinden müssen. Unter dem Eindruck galoppierenden demographischen Wandels befinden sich die Pflege- und Immobilienbranche derzeit in einem Annäherungsprozess und entwickeln gemeinsame Kooperationsansätze. Der spannendste Teil des Reports ist daher auch sein dritter Teil, in welchem besonders innovative Macher unmittelbar zu Wort kommen. Kapitelweise gegliedert nach ihren Branchen stellen Betreiber, Architekten und Planer, Investoren sowie Industrievertreter ihre Konzepte und (Geschäfts-) Modelle vor. Die Gegenüberstellung dieser Statements ergibt einen ausgesprochen breitgefächerten und erhellenden Gesamteindruck nicht nur über die Trends, sondern auch über die unterschiedlichen Blickwinkel der jeweiligen Stakeholder auf ihre Projekte.

Fazit

Das Buch ist somit eine willkommene Informationsquelle auf programmatischer Ebene für alle Akteure, die an der Planung eines Neu- oder Umbaus beteiligt sind. Wünschenswert aus Architektensicht wäre darüber hinaus eine vertiefte, stärker in praktische Details gehende Darstellung, wie aus Konzepten handfeste Projekte werden. Gänzlich unerwähnt kann es leider auch nicht bleiben, dass der Preis mit 260,- EUR doch eher hoch angesetzt ist. Erklärend mag dazu vermerkt sein, dass das Vincentz Network mit seinem Trendreport echtes Insider-Wissen aus einem boomenden Sektor zusammengetragen hat. Interessant für Architekten ist der Report daher auf jeden Fall, gerade durch diesen Perspektivwechsel. Andere Erscheinungen rund ums barrierefreie Bauen werden ergänzt. Er kann all denjenigen als Lesestoff empfohlen werden, die es als ihren Anspruch verstehen, beim Entwurf auch die Sichtweise ihrer Auftraggeber einzunehmen und über die reine Gestaltung hinauszudenken.

Jetzt bestellen: Sozialimmobilien-Report 2016

Rezensentin: Angela Tohtz