Qualität im inklusiven Schulbau

Abschied von Förderschulen birgt architektonischen Rückschritt

inklusiver Schulbau

Ein warm und einladend gestalteter Bereich der Mamre-Patmos-Schule in Bielefeld Foto: Peter Wehowsky

Die meisten Förderschulen, besonders die für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen sind hervorragend ausgestattet. Sie bieten Kindern und Jugendlichen ein angemessenes Umfeld und dieses beschränkt sich eben nicht nur auf ein paar zusätzliche Behindertentoilletten. Außerdem bieten sie Fläche zum Spielen, Toben, Kochen und Basteln. Flure sind in spannendes Licht gehüllt und drücken Wärme aus. Diese Schulgebäude aufzugeben, bedeutet Qualität zu verlieren. Viele Kinder werden also architektonisch einen Rückschritt erleben

Braucht Schule Raum?

Braucht Unterricht eigentlich Raum? Dazu passt das Bild, in dem ein griechische Philosoph unter einem Olivenbaum seinen wenigen Schülern anhand eines Kiesels die Welt erklärt und ein paar flüchtige Zeichnungen mit dem Finger in den Sand zeichnet. Auch hier hat das Lernen den richtigen Ort. Der Olivenbaum spendet dem Philosphen Schatten, und die ruhige See übertont das Wort des Meisters nicht, der Sand ist das Schreibgerät, die Natur reich an Anschauungsmaterial. Die Situation ermöglicht, auf jeden Schüler angemessen einzugehen. Raum und Pädagogik gehören zusammen, sie unterstützen und bedingen sich.

Bildung benötigt gute Architektur

Pädagogische Architektur regt das Lernen an. Der „Raum als dritter Pädagoge“ erhält zurzeit zunehmend Aufmerksamkeit. Der Dreiklang: Der Lehrer, die Schüler und der Raum. Gelungene Architektur leistet einen Beitrag zur Pädagogik und im Umkehrschluss benötigt Bildung gute Architektur. Inklusion ist eine wichtige Aufgabe, die zurzeit erst einmal strukturell gelöst wird. In einigen Städten werden Förderschulen bereits nach und nach aufgelöst. Strukturelle Lösungen bedeuten, dass Regelschulen Kinder mit Förderbedarf aufnehmen und Sonderschullehrer im Unterricht dieser Schulen mitwirken. Welche baulichen Antworten die Länder finden wollen, ist noch nicht beantwortet. Lediglich Hinweise finden sich, wenn von Seiten der Schulträger dargestellt wird, dass auch bauliche Maßnahmen notwendig werden, wenn man es mit der Inklusion ernst meint.

Es fehlt an Notwendigem

Schulen stehen somit vor dem Problem, dass ihre Gebäude für die Aufnahme von Kindern mit besonderem Förderbedarf oft nicht geeignet sind und es an Notwendigem fehlt. Die Forderung, dass kein Kind noch länger von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen ist, ist richtig. In naher Zukunft muss aber die Frage nach räumlichen Veränderungen dringend beantwortet werden. Wie soll ein Kind im Liegerollstuhl am Unterricht teilhaben, wie wird man einem Kind gerecht, dass blind ist? Natürlich hat ein Kind, das einen erhöhten Pflegebedarf hat, das Recht, die örtliche Grundschule zu besuchen. Aber wie, wenn Pflegeräume fehlen? Und trotzdem, nur durch Pflegeräume Chancengleichheit ermöglichen zu wollen, ist zu kurz gedacht. Vielmehr muss das Schulgebäude Angebote für Alle bereit stellen, Möglichkeiten bieten und sollte einen auffordernden Charakter haben.

Inklusion beginnt im Kopf

Von der Chinesischen Mauer stammt ein schönes Beispiel, dass an dieser Stelle gennant werden soll. Dem amerikanischen Rollstuhlfahrer gelingt es, diese zu besuchen, weil ihn hilfsbereite Einheimische wie selbstverständlich die unzähligen Stufen hinauftragen. Die inklusive Gesellschaft beginnt im Kopf. Für die inklusive Regelschule wird es eine allumfassende Lösung erst einmal nicht geben. Aber den Rat, sich an der Qualität der Förderschulen zu orientieren. Für die Schule im Ort, auf die das Thema Inklusion zurollt, zählen die kleinen Schritte. Die innere Haltung, individuelle Lösungen abgestimmt auf einzelne Schüler, erste notwendige bauliche Anpassungen und das große Ziel, die Schule der Zukunft zu einem anregenden Lernort und zu einer Schule für Alle weiterzuentwickeln.

→ Hier geht es zum Beitrag über eine „Vorzeige-Schule“, was die bauliche Umsetzung und Gestaltung zur Förderung der Inklusion betrifft.

Autorin: Elke Maria Alberts
Hier gehts zum Interview mit der Autorin zum Thema Inklusion und Schulbau