Barrierefreier Ausbau von Personenbahnhöfen

DB baut Barrieren an Bahnhöfen ab

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Foto: Michael Loeper, pixelio

Barrierefreiheit an Bahnhöfen umfasst eine Vielzahl von Aspekten. Sie reichen von der baulichen Gestaltung bis hin zu Information und Service. Die DB Station & Service AG arbeitet daher kontinuierlich daran, mobilitätseingeschränkten Reisenden den Zugang zu Bahnsteigen und Zügen zu ermöglichen und zu erleichtern. Dabei gilt die europäische Richtlinie TSI PRM (Technische Spezifikation für die Interoperabilität bezüglich eingeschränkt mobiler Personen im transeuropäischen Eisenbahnverkehr) als übernationales Regelwerk für barrierefreies Bauen in und an Bahnhöfen.Wichtige Grundlagen dafür sind der stufenfreie Ausbau der Bahnsteigzugänge und die Erhöhung von Bahnsteigen, eine gut erkennbare Wegeleitung, taktile Blindenleitsysteme sowie die Installation von Fahrgastinformationsanlagen oder Dynamischen Schriftanzeigern. Mit dem „Programm der DB“ hat sich die Bahn die offizielle Selbstverpflichtung auferlegt, den barrierefreien Ausbau voranzutreiben.

Gemeinsam mit dem Eisenbahn-Bundesamt hat sie eine Prioritätsregel zum stufenfreien Ausbau mit Aufzügen und Rampen vereinbart: Die sogenannte 1.000-Reisende-Regel besagt, dass zuerst Bahnhöfe mit mehr als 1.000 Reisenden am Tag mit Aufzügen oder langen Rampen ausgestattet werden müssen. Stationen mit weniger Reisenden werden für den späteren stufenfreien Ausbau der Bahnsteigzugänge vorbereitet, aber nur im örtlichen Bedarfsfall mit Aufzug oder Rampe ausgerüstet – etwa wenn in Stationsnähe eine Behinderteneinrichtung ansässig ist. Durch die Regel werden 93 Prozent aller Fahrgäste erreicht.

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Grundsystem aus Bodenindikatoren auf Bahnsteigen (Quelle: RIL 813.0205, Bild 3, DB Station&Service AG, 2012)

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Bodenindikatoren auf Mittelbahnsteigen mit Bahnsteigzugängen wie Treppe, Fahrtreppe und Aufzug (Quelle: RIL 813.0205, Bild 5, DB Station&Service AG, 2012)

Erforderliche bauliche Maßnahmen

Der stufenfreie Ausbau und die Bahnsteigerhöhung auf 55 oder 76 Zentimeter Höhe (bei S-Bahnen 96 Zentimeter) sind die wichtigsten Grundlagen der barrierefreien Infrastruktur an Bahnhöfen. Außerdem sorgen Aufzüge oder Rampen für einen stufenfreien Zugang zum Bahnsteig. Weitere bauliche Maßnahmen, die mit einer Verbesserung der Barrierefreiheit an Bahnhöfen verknüpft sind, umfassen unter anderem die Errichtung folgender Elemente:
  • Kontrastreiche Wegeleitung: Gut erkennbare Schilder und Markierungen erleichtern sehbehinderten Reisenden die sichere und schnelle Orientierung am Bahnhof. Dazu gehören unter anderem Kontraststreifen an Glastüren, weiße Zeichen auf dunkelblauen Schildern oder weiße Schraffuren auf dunkelgrauen Bahnsteigkanten oder Treppenstufen.
  • Taktile Blindenleitsysteme: Sie helfen blinden und sehbehinderten Menschen, sich am Bahnhof mittels Tastsinn zu orientieren. Rippen-und Noppenplatten weisen auf Bahnsteigkanten und Einstiegspunkte hin.
  • Fahrgastinformationsanlagen oder Dynamische Schriftanzeiger: Reisende erhalten aktuelle Informationen über Abweichungen im Regelverkehr nach dem 2-Sinne-Prinzip: als visuelle Anzeige und als akustische Durchsage.
  • Wetterschutz: Wetterschutzhäuser und Windfänge ermöglichen es auch mobilitätseingeschränkten Reisenden und Besuchern, regen- und windgeschützt direkt auf dem Bahnsteig zu warten.

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    Beispiel eines taktilen Leitsystems auf dem hindernisfreien Weg im komplex strukturierten Bahnhofsgebäude (Quelle: RIL 813.0205, Bild 12, DB Station&Service AG, 2012)

Barrieren abbauen:

  • Alle neu angeschafften Züge des Fern- und Regionalverkehrs sind mit Einstiegshilfen ausgerüstet.
  • Von den 4470 Bussen, die der DB gehören, sind zwei Drittel Niederflurfahrzeuge. Das heißt, sie haben nur einen geringen Höhenunterschied zwischen Bürgersteig und Fahrzeugboden.
  • Taktile Leitsysteme ermöglichen blinden Menschen die Orientierung.
  • Hublifte die von DB-Mitarbeitern bedient werden, stehen an größeren Bahnhöfen bereit. Dadurch gelangen Rollstuhlfahrer bequem und sicher in Züge, die keine Einstiegshilfe haben.
  • Rampen und Aufzüge helfen Fahrgästen die Bahnsteige stufenfrei zu erreichen.
  • Barrierefreiheit strebt die DB auch bei Information an, z.B. durch Lagepläne in Blindenschrift. Weitere Services für Menschen mit Hör- und Sehschwächen gibt es in den Reisezentren und im Internet.
  • Bahnsteige werden nach und nach auf europäische Standardmaße erhöht. Dadurch wird ein barrierefreier Einstieg in Züge ermöglicht. Dieser ist aber erst gewährleistet, wenn alle haltenden Züge eine passende Wagenbodenhöhe haben oder fahrzeugseitige Vorrichtungen die Lücke zwischen Bahnsteig und Fahrzeug überwinden. Zur Überbrückung am Bahnsteig werden Einstiegshilfen wie Hublifte oder mobile Rampen eingesetzt.
  • Reisende erhalten Informationen nach dem Zwei-Sinne-Prinzip: als visuelle Anzeige und als akustische Durchsage.
  • Tausende Service-Mitarbeiter der DB sind speziall geschult, um mobilitätseingeschränkte Reisende am Bahnhof oder im Zug zu unterstützen. Die besten Verbindungen werden
    herausgesucht, die notwendigen Hilfen beim Ein- und Aussteigen organisiert
    und Fahrkarten und Reservierungen auf Wunsch mit der Post bzw. online
    zugeschickt oder am DB Automaten hinterlegt.

    Kohaupt

Aktueller Stand der barrierefreien Bahnhöfe

  • 75 Prozent der Bahnhöfe haben Bahnsteige, die stufenfrei erreichbar sind, also über Rampen, höhengleiche Gleisübergänge oder mit Aufzügen.
  • 4.600 Bahnsteige sind mit taktilen Leitstreifen für blinde und sehbehinderte Menschen ausgerüstet.
  • 58 Prozent der Bahnsteige sind für den stufenfreien Zugeinstieg optimiert.
  • 6.600 Dynamische Schriftanzeiger verbessern die Information: Zwei-Sinne-Prinzip.
  • 600 000 kostenfreie Hilfestellungen für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste beim Ein- und Ausstieg hat die DB 2015 geleistet.
  • Jedes Jahr werden rund 100 Stationen barrierefrei ausgebaut, unterstützt durch erhebliche Fördermittel von Bund und Ländern

Barrierefrei Reisen mit der Deutschen Bahn

Quelle: Deutsche Bahn (Stand Aug. 2016)