Brandschutz und Barrierefreiheit vereint

Moderne Barrierefreiheit im neuen Leonberger Rathaus mit automatischen Tür- und Fensterlösungen

Atrium

Unerlässlich im Atrium des Neuen Rathauses in Leonberg: Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (Quelle: GEZE GmbH)

Zwischen der historischen Altstadt und der „Neuen Stadtmitte“ entstand ein großzügiger, sich nach drei Seiten öffnender 9.900-m²-Neubau. In einer parkähnlichen Landschaft mit einem Wandelgarten ist das neue Rathaus ein urbanes Aushängeschild.

Für einen optimalen Bürgerservice in einer hellen offenen Atmosphäre wurden die Verwaltungs- und Funktionsbereiche in einem modernen, puristisch gehaltenen Stadthaus vereint. Wege sind nun kürzer und einfacher, Zugänge barrierefrei. Das Gebäude bietet erhöhte Gebäudesicherheit und ein nachhaltiges Energiekonzept. Mittelpunkt des sechsgeschossigen, teils kreisförmigen Gebäudekomplexes ist das Atrium mit einem großen Glasdach. Das Erdgeschoss beherbergt das zentrale Foyer mit Empfang und Info-Punkt, den unterteilbaren Ratssaal, Räume für die kommunalen Fraktionen und eine Cafeteria. Von hier gelangt man in die galerieartig angelegten Obergeschosse mit den Anlaufstellen für die Bürger und die einzelnen Ämter.

Umfassendend geplant: Konzept „barrierefrei“

Quelle: GEZE GmbH

Barrierefreiheit ist in modernen öffentlichen Gebäuden selbstverständlicher Standard. Ein Gebäude muss grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzbar sein. Das Bauvorhaben wurde seit der Planungsphase von Experten mit  langjähriger und umfassender Erfahrung im barrierefreien Objektbau begleitet. Sie erstellten das Konzept für die Ausführung aller Maßnahmen zur barrierefreien Nutzung des Gebäudes und lieferten den Bauherrenvertretern der Stadt Leonberg, den Architekten des Büros Schaller und dem Generalbauunternehmen Wolff & Müller eine wichtige Planungsgrundlage.

Das Konzept wurde gemäß den Anforderungen der unterschiedlichen Nutzergruppen des Gebäudes, nach allen gesetzlichen Vorgaben und zusätzlich nach DIN 18040-1 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1 Öffentlich zugängliche Gebäuden“ gestaltet. Das bedeutet, dass die öffentlich zugänglichen Bereiche für alle Besucher, also auch bewegungseingeschränkte Menschen, Menschen mit eingeschränktem Seh- oder Hörvermögen sowie Blinde und Gehörlose, selbstständig einfach auffindbar, erreichbar und nutzbar sein müssen. Auch die Verknüpfung von Barrierefreiheit mit den Anforderungen an den Brandschutz und die Fluchtwegsicherheit wurden berücksichtigt.

Drehtüranlagen: Funktionsvielfalt und Gestaltungsfreiheit

Haupteingang mit automatischen Drehtüranlagen

Barrierefreier Haupteingang mit automatischen Drehtüranlagen mit Powerturn-Antrieb  (Quelle: GEZE GmbH)

Ein Rathausbesuch lohnt sich auch ohne Bürgeranliegen. Die Außenanlagen sind ein „grüner“ Schatz, der mit Sitzstufen, Bänken und einem Brunnen zum Verweilen einlädt. Außen- und Innenräume des Gebäudes gehen fast unmerklich ineinander über. Taktile Leitstreifen weisen den Weg über den Vorplatz zum Haupteingang in das Foyer bis zum Empfang. Ein Gang durch das Rathaus zeigt die Vielfalt der Lösungen für Türen und Fenster, die Barrierefreiheit genauso wie Brandschutz und sichere Fluchtwege gewährleisten.

Im ganzen Gebäude sind automatische Drehtüranlagen im Einsatz. Für einen barrierefreien Zugang wurde im Windfang des Haupteingangs jeweils der Gangflügel der beiden zweiflügeligen, schweren und hohen Türen mit kraftvollen und dennoch dezent-schmalen Antrieben automatisiert. Durch die „Smart swing“-Funktion können sie von jedem auch ganz leicht mit der Hand geöffnet werden. Weit geöffnet dienen die Fluchtwegtüren im Brandfall auch als Nachströmöffnung für frische Luft.

Als weiterer Fassadeneingang bei der Cafeteria dient die äußere zweiflügelige Windfangtür. Von außen ist der Windfang über einen Radarbewegungsmelder barrierefrei begehbar. Zu bestimmten Zeiten muss „geklingelt“ werden. Dann erfolgt die automatische Öffnung der Tür über den Programmschalter an der Empfangstheke.

Für einen barrierefreien Zugang, auch am dritten Fassadeneingang beim Ratssaal, wurde jeweils der Gangflügel an den beiden zweiflügeligen Brandabschnitt- und Fluchtwegtüren automatisiert. Die integrierte Schließfolgeregelung hat die Aufgabe, nach dem Begehen der Tür (vor allem durch flüchtende Personen!) die Türflügel in der richtigen Reihenfolge zu schließen, damit die Schutzfunktion des Brandschutzabschlusses wieder hergestellt ist.

Im Ratssaal: Brandschutz und „freie Bahn“ im Fluchtweg

Doppelflügelige Brandschutztüren als Ratssaaltüren

Doppelflügelige Brandschutztüren für den Ratssaal (Quelle: GEZE GmbH)

Im Foyer führen zwei doppelflügelige Brandschutztüren in den unterteilbaren Ratssaal. Aktiviert werden sie über Flächentaster. Im Brandfall schließen die Türen selbsttätig und verhindern ein Ausbreiten des Feuers. Im Foyer können alle Automatiktüren über einen Display-Programmschalter an der Empfangstheke gesteuert und überwacht werden.

Der dritte Zugang zum Ratssaal ist eine optisch dezente und kompakte zweiflügelige Feststellanlage mit Türschließern. Sie ermöglicht ein Offenhalten der Türflügel und ein zuverlässiges Schließen im Brandfall. Dank der „Freeswing“-Freilauffunktion kann die Tür mit nur geringem Kraftaufwand geöffnet werden. Im täglichen Gebrauch verhalten sich diese Türen so, als ob kein Türschließer vorhanden wäre. Ein weiterer großer Vorteil ist die Komfort-Rastfunktion, mit der die Türen am Ende des Freilaufbereichs einfach arretiert werden können, ohne unkontrolliert zuzufallen oder im Raum stehen zu bleiben. Das selbständige Schließen der Türen im Brandfall wird nicht beeinträchtigt. Die gleichen Türlösungen wurden als einflügelige Zugänge zu den Fraktionszimmern gewählt. Zusätzlich führen zwei mit Türschließern ausgestattete Fluchttüren ins Freie.

Intelligenter Rauch- und Wärmeabzug – barrierefreies Lüften

Um im Ernstfall Brandrauch im Ratssaal schon beim Entstehen abzuleiten, damit alle Menschen über die Fluchttüren sicher ins Freie gelangen, wurde eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA) installiert. An beiden Fassadenseiten wurden die Fenster direkt unter der Decke automatisiert. Tritt der „RWA-Fall“ ein, fährt sofort der Sonnenschutz ein und die Fensterantriebe öffnen im „Highspeed-Modus“. Die Strom- und Notstromversorgung, die Koordination und die Überwachung der individuell ansteuerbaren Fenstersysteme und Komponenten, wie z. B. Sensoren, Taster oder Rauchmelder, übernimmt die flexibel konfigurierbare RWA-Buszentrale. Ausgelöst über den manuellen RWA-Taster oder die Brandmeldeanlage, hat sie die Aufgabe, die Fenster für eine zuverlässige Entrauchung an der windabgewandten Seite zu öffnen. Slimchain-Antriebe sind „intelligent“: Sie können Alarmmeldungen und alle Fensterinformationen (offen/geschlossen, genaue Öffnungsweite) auch dem bauseitigen KNX-Gebäudesystem zur Verfügung stellen. Das RWA-System hat somit eine Doppelfunktion: Neben der sicherheitsgerichteten Anwendung im Brandfall dient es der komfortablen täglichen Lüftung. Ein innenliegendes Lüftungsfenster sorgt mit frischer Luft aus dem Foyer im Ratssaal für ein „gutes Klima“.

Festgestellt: Barrierefreie Brandschutzabschnitte

Barrierefreier Zugang zur Cafeteria

Barrierefreier Zugang zur Cafeteria (Quelle: Geze GmbH)

Zwei Eingänge führen barrierefrei in die Cafeteria: Der Haupteingang wurde als Brandschutztür mit Antrieben und Öffnungstastern auf beiden Seiten realisiert. Der Eingang an der Rückseite des Aufzugs ist eine Feststellanlage mit Türschließern. Zusammen mit einer weiteren Feststellanlage als Zugang zu der direkt vor der Cafeteria eingerichteten Durchgangsnische mit Snack- und Getränkeautomaten bildet der Gastronomiebereich einen eigenen barrierefrei begehbaren Brandschutzabschnitt. Barrierefrei und leicht zu öffnen sind die Brandschutztüren der Feststellanlagen, die in die Sanitärräume führen.

Ohne Barrieren in die Stockwerke

Ein- und zweiflügelige Feststellanlagen mit Türschließern

Ein- und zweiflügelige Feststellanlagen mit Türschließern für Begehkomfort (Quelle: Geze GmbH)

Mit dem Aufzug erreichen mobil eingeschränkte Menschen die einflügeligen Zugangstüren der Stockwerke. Öffnungstaster finden sich auf beiden Türseiten. Zeitgesteuert über die Gebäudeleittechnik öffnen die Stockwerkstüren ab einer bestimmten Uhrzeit von außen nur durch eine Freigabe nach vorherigem Klingeln. Von innen können die Brandschutztüren dank der Smart swing-Funktion leicht geöffnet werden. Das sichere Schließen der Tür (erforderlich für die Brandschutzfunktion) ist in jedem Fall gewährleistet.

Barrierefrei geht es weiter: In den rundum begehbaren Stockwerken sorgen ein- und zweiflügelige Feststellanlagen mit Türschließern für Begehkomfort im Tagesbetrieb und für zuverlässigen Brandschutz. Ausgelöst durch Brandmelder schließen die Türen im Brandfall, schaffen Brandabschnitte und halten alle Fluchtwege sowie das jeweilige Fluchtwegtreppenhaus rauchfrei.

Frische Luft – gesicherter Fluchtweg

Mit Sicherheit frische Luft: Automatisierte Oberlichter mit Slimchain- und Powerchain Fensterantrieben. Frische Luft aus dem Atrium führen die mit Slimchain-Antrieben automatisierten Oberlichter in den innenliegenden Stockwerks-Teeküchen und in den Fluren herbei. Im RWA-Fall möchte man aber genau das verhindern. Tritt der „RWA“-Fall im Atrium ein, so werden die Oberlichter über die Brandmeldeanlage geschlossen, so dass Brandrauch in den Stockwerken „außen vor bleibt“. Um ein Nachströmen frischer Außenluft im Brandfall zur Ausbildung raucharmer Schichten zu ermöglichen, öffnen Kettenantriebe mehrere großflächige Fassadenfenster im ersten Stockwerk in der Wartezone des Bereiches „Familie und Bildung“. Mit einem maximalen Hub von 1.200 Millimetern ermöglichen die Antriebe im Brandfall in weniger als 60 Sekunden eine maximale Fensteröffnung. Die Fenster dienen als Nachströmöffnung für frische Luft in das Atrium, damit Brandrauch über das große Dachfenster entweichen kann.

Komplexe Funktionen wie Schutz vor unberechtigtem Begehen und „freie Bahn“ für flüchtende Menschen im Gefahrenfall muss die manuelle Tür neben dieser Wartezone erfüllen. Als Fluchttür weist sie in den als Fluchtweg dienenden Büroflur. Im Tagesbetrieb offen, wird sie je nach Situation, z. B. nach Büroschluss, verriegelt. Von Berechtigten kann sie dann über das Zutrittskontrollsystem begangen werden. Im Gefahrenfall ist die Tür in Fluchtrichtung dennoch immer von jedem begehbar, denn hier tritt der Fluchttüröffner in Aktion, der die Tür über den Nottaster der Fluchtwegzentrale öffnet. Die gleiche Türlösung erfüllt gleich nebenan am Zugang zum Flur der Stadtkasse die gleichen Aufgaben.

Quelle: Geze GmbH