Barrierefreie Arbeitsstätten

Technische Regeln für Arbeitsstätten – ASR V3a.2

Die Anforderungen an Arbeitsstätten werden in der Arbeitsstättenverordnung geregelt und in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) weiter konkretisiert. Die barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten ist in einer eigenen ASR geregelt: Die ASR V3a.2 und deren Anhänge enthalten dazu ergänzende Anforderungen über die einzelne ASR hinaus. Die ASR V3a.2 wurde zuletzt geändert mit GMBI 2017. Bezüglich der Barrierefreiheit gibt es jedoch keine inhaltlichen, sondern lediglich formale Änderungen. So wurde beispielweise der Anhang A3.4/3 umbenannt in A3.4/7 und das Wort „Arbeitshygiene“ durch „Hygiene“ ersetzt.
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Nach ASR V3a.2 ergibt sich das „Erfordernis nach barrierefreier Gestaltung … immer dann, wenn Menschen mit Behinderungen beschäftigt werden. … Es sind die Bereiche der Arbeitsstätte barrierefrei zu gestalten, zu denen die Beschäftigten mit Behinderungen Zugang haben müssen.“ Sind Arbeitsstätten oder deren Teilbereiche öffentlich zugänglich, gilt neben der Arbeitsstättenverordnung auch die DIN 18040-1. Bereiche mit Publikumsverkehr gelten dann als öffentlich zugängliche Gebäude, z. B. Verwaltungs- oder Bürogebäude mit Publikumsverkehr.

Hält der Arbeitgeber die Technischen Regeln ein, kann er davon ausgehen, dass „die entsprechenden Anforderungen der Verordnungen erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.” (Quelle: ASR V3a.2, zuletzt geändert im Juni 2016).

Übersicht zu ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“

In mehreren Anhängen der ASR V3a.2 werden Anforderungen genannt, die die jeweilige ASR hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung ergänzen:

Allgemeine Anforderungen:
Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)

Ergänzende Anforderungen zur Barrierefreiheit: ASR V3a.2 (Anhänge und Stand der Veröffentlichung)

ASR A1.2 Raumabmessungen und Bewegungsflächen Anhang geplant
ASR A1.3 Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung veröffentlicht
Anhang A1.3 zur ASR 1.3 (PDF S. 6/25)
ASR A1.5/1,2 Fußböden Anhang geplant
ASR A1.6 Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände veröffentlicht
Anhang A1.6 zur ASR 1.6 (PDF S. 7/25)
ASR A1.7 Türen und Tore veröffentlicht
Anhang A1.7 zur ASR 1.7  (PDF S. 10/25)
ASR A1.8 Verkehrswege veröffentlicht
„Anhang A1.8 zur ASR 1.8 “ (PDF S. 16/25)
ASR A2.1 Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen kein Anhang vorgesehen
ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände Anhang geplant
ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan veröffentlicht
Anhang A2.3 zur ASR 2.3 (PDF S. 22/25)
ASR A3.4 Beleuchtung kein Anhang vorgesehen
ASR A3.4/7 Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme veröffentlicht
Anhang A3.4/7 zur ASR 3.4/7 (PDF S. 24/25)
ASR A3.5 Raumtemperatur kein Anhang vorgesehen
ASR A3.6 Lüftung kein Anhang vorgesehen
ASR A4.1 Sanitärräume Anhang geplant
ASR A4.2 Pausen- und Bereitschaftsräume Anhang geplant
ASR A4.3 Erste Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe Anhang geplant
ASR A4.4 Unterkünfte veröffentlicht
Anhang A3.4/3 zur ASR 3.4/3 (PDF S. 25/25)

 

Verkehrswege
(Ergänzungen zu ASR A1.8)

Nachfolgend ein Auszug aus dem Anhang A1.8: Ergänzende Anforderungen zur ASR 1.8 „Verkehrswege“  zum Thema Treppen:

zu 4.5 Treppen
(19) Für Beschäftigte, die einen Rollator oder einen Rollstuhl benutzen, sind an Treppen alternative Maßnahmen zu treffen, z. B. Schrägrampen, Treppensteighilfen, Treppenlifte, Plattformaufzüge oder Aufzüge.

(20) Für Beschäftigte mit Sehbehinderung müssen die erste und letzte Stufe des Treppenlaufs mindestens an der Stufenvorderkante visuell kontrastierend gestaltet und erkennbar sein.

(21) Für blinde Beschäftigte ist die oberste Stufe von Treppenläufen am Beginn der Antrittsfläche (siehe Abb. 2) über die gesamte Treppenbreite taktil erfassbar zu gestalten, z. B. durch unterschiedliche Bodenstrukturen.

(22) Für blinde Beschäftigte muss gewährleistet sein, dass Treppen unterhalb einer lichten Höhe von 2,10 m nicht unterlaufen werden können. Dies kann erreicht werden z. B. mit Umwehrungen, Brüstungen, Pflanzkübeln oder durch Möblierung.

ASR-V3a-2-10 Arbeitsstätten

Abb. 1: Unterschneidung an einer schrägen Setzstufe Quelle: ASR-V3a.2

(23) Für Beschäftigte mit Gehbehinderung, z. B. mit einer Fußhebeschwäche, müssen Treppen geschlossene Stufen haben. Unterschneidungen sind grundsätzlich nicht zulässig. Abweichend davon ist bei geschlossenen Stufen mit schrägen Setzstufen eine Unterschneidung (u) von maximal 2 cm zulässig (siehe Abb. 1). Ausgenommen sind Treppen, die ausschließlich als Fluchtweg in Abwärtsrichtung genutzt werden. (abweichend von ASR A1.8 Abb. 4)

(24) Für Beschäftigte, deren motorische Einschränkungen es erfordern (z. B einseitige Armlähmung), müssen Treppen beidseitig Handläufe haben, die nicht unterbrochen sind. Die Handläufe sollen in einer Höhe von 0,80 m bis 0,90 m angeordnet sein, gemessen lotrecht von der Oberkante des Handlaufs zur Stufenvorderkante. (ASR A1.8 Punkt 4.5 Abs. 10)

ASR-V3a-2-10_Abb2 Arbeitsstätten

Abb. 2: Gestaltung der Handläufe an Treppen, Quelle: ASR-V3a.2

(25) Für blinde Beschäftigte und Beschäftigte mit Sehbehinderung müssen die Enden der wandseitigen Handläufe am Anfang und Ende von Treppen um das Maß des Auftritts an der An- bzw. Austrittsfläche fortgeführt werden (Abb. 2). Am Treppenauge darf der Handlauf nicht um das Maß des Auftritts fortgeführt werden. Die Enden der Handläufe sollen abgerundet sein und nach unten oder zur Wandseite auslaufen. Halterungen für Handläufe sollen an der Unterseite angeordnet sein.

(26) Für Beschäftigte mit Sehbehinderung sollen Handläufe sich visuell kontrastierend vom Hintergrund abheben.

(27) Für blinde Beschäftigte sollen an Handläufen taktile Informationen zur Orientierung angebracht sein, z. B. die Stockwerkbezeichnung.

(28) Für kleinwüchsige Beschäftigte sind zusätzliche Handläufe in einer Höhe von 0,65 m vorzusehen.
(Quelle: ASR V3a.2 Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten)

Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan
(Ergänzungen zu ASR A2.3)

Barrierefreiheit bedeutet auch Minimierung des durch eine Behinderung bedingten Risikos. Dazu trägt die Gestaltung der Flucht- und Rettungswege erheblich bei. Für deren Kennzeichnung sind die vorstehenden Maßnahmen nach ASR A1.3 anzuwenden.

drehfluegeltueren-fluchtweg Arbeitsstätten

Freie Bewegungsfläche sowie seitliche
Anfahrbarkeit vor Drehflügeltüren im Fluchtweg (Maße in cm)

Für Personen, die eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl benutzen:

  • Fluchtwegbreite min. 1,00m
  • Breite darf stellenweise auf min. 0,90m verringert werden: durch Türen bei einem Einzugsgebiet von max. 20 Personen, auch durch Einbauten oder Einrichtungen bei einem Einzugsgebiet von max. 5 Personen
  • Fluchtwegbreite min. 1,50 m, wenn eine Begegnung mit anderen Behinderten zu erwarten ist
  • vor Türen und Toren freie Bewegungsflächen und seitliche Anfahrbarkeit gewährleisten
  • bei Drehkreuzen alternative Fluchtwege schaffen

Die Mindestbreite der Fluchtwege darf durch kurzzeitigen Aufenthalt von Behinderten in gesicherten Bereichen von Treppenräumen nicht unterschritten werden. Für auf Gehhilfen oder Rollstuhl angewiesene Personen mit eingeschränkter Hand-/Arm-Motorik:

  • bei Türen/Toren prüfen, ob bei Wandstärken > 0,26m Drücker betätigt werden kann
  • Bedienelemente und Entriegelungen in max. 0,85mHöhe anordnen
  • Kraftaufwand zur Entriegelung max. 25 N oder 2,5 Nm, anderenfalls elektrische Systeme mit Taster vorsehen (mind. 2,50m vor aufschlagender Tür und 1,50min Gegenrichtung anordnen)

(Quelle: BauvorschriftenREPORT, Autor: Achim Linhardt)